Freihandel nötig

Der Abbau von Handelsbarrieren zwischen den USA und Europa ist überfällig.

Der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) begrüßt die von Bundesfinanzminister Lindner angestoßene Neuauflage eines Transatlantischen Freihandelsabkommens. Dazu erklärt der BGA-Präsident Dr. Dirk Jandura heute in Berlin: „Der Abbau von Handelsbarrieren zwischen den USA und Europa ist überfällig. Wir müssen aus den Diskussionen um TTIP lernen, es braucht ein klares Grundbekenntnis der Politik zum transatlantischen Freihandel. Wir brauchen endlich ein konstruktives, ratifizierbares Ergebnis und dürfen nicht immer alles zerreden. Verhandeln bedeutet immer, dass beide Seiten Kompromisse machen müssen. Der Anspruch, nur unsere Position sei ein akzeptables Verhandlungsergebnis, muss enden.“

„Der russische Angriff auf die Ukraine und nicht zuletzt Corona machen klar, wie unerlässlich Freihandelsabkommen sind. Sie sind Grundlage für diversifizierte Lieferketten und schaffen die notwendige Rechtssicherheit. Asien formiert sich mit Freihandelsabkommen neu. Da darf sich die transatlantische Wertepartnerschaft sich nicht selbst im Weg stehen. Die Ratifizierung von CETA wäre sofort möglich.“

Außenhandel: Jandura warnt vor harten Zeiten

„Der Außenhandel muss sich auf harte Zeiten einstellen. Wir müssen jetzt die Unternehmen stärken, um so ihre Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Von der Politik erwarten die Außenhändler die Sicherstellung der Energieversorgung, den Abbau von Bürokratie, um auf Veränderungen flexibel reagieren zu können und den Ausbau der Verkehrs- und Digitalinfrastruktur. Fallen Handelspartner aus, muss auf Alternativen ausgewichen werden. Deshalb brauchen wir dringend neue Handelsabkommen. Die Politik sollte weitere Handelsabkommen nicht blockieren“, kommentiert Dr. Dirk Jandura, Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) die heute veröffentlichten Außenhandelszahlen.

“Der Ukraine-Krieg belastet den deutschen Außenhandel massiv. Die mittel- bis langfristigen Auswirkungen sind bisher kaum absehbar. Eine der größten Herausforderung für den Außenhandel ist die Abhängigkeit von russischem Gas und Öl. Noch haben wir keine Versorgungsengpässe, doch die Lage bleibt unberechenbar. Wir müssen uns auf eine erhebliche Verschlechterung der Gasversorgung und damit auch auf massiv steigende Energiepreise vorbereiten. Hierfür brauchen wir schnelles, unbürokratisches Handeln und einen systematischen Ansatz der Politik. Die Absenkung der Energiesteuer ist richtig, aber wir brauchen auch langfristige Lösungen. Die Energiepreise sind in Deutschland schon lange viel zu hoch und schaden unserem Standort“, so Jandura mit Blick auf die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs.

Und Jandura weiter: „Zwar haben sich die weltweiten Lieferketten im Februar etwas entspannt, doch nun stehen sie vor einer neuen Bewährungsprobe: Durch den Krieg in der Ukraine sind Luft-, See- und Schienengüterverkehr gestört und teilweise komplett unterbrochen. Hinzu kommen erhebliche Kostensteigerungen. Zusätzlich verschärft sich die Lage durch Lock-Downs in China. Die Zahl der Schiffe, die vor chinesischen Häfen liegen, steigt rasant an.“

Das Statistische Bundesamt hatte heute die Außenhandelszahlen für Februar 2022 bekannt gegeben. Demnach wurden Waren im Wert von 124,7 Milliarden Euro exportiert und Waren im Wert von113,1 Milliarden Euro importiert. Im Vorjahresvergleich stieg der Export somit um 14,3 Prozent und der Import um 24,6 Prozent. Damit schloss die Außenhandelsbilanz im Februar 2022 mit einem Überschuss von 11,5 Milliarden Euro.

Energiepreise zwingen Logistikbranche in die Knie

„Die hohen Energiepreise zwingen die Logistikbranche in die Knie. Insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen sind nicht mehr in der Lage, die steigenden Diesel- und Gaspreise zu stemmen. Die beschlossene Senkung der Mineralölsteuer ist ein erster richtiger Schritt. Allerdings ist die Entlastung auf drei Monate befristet. Das reicht nicht aus. Die Wirtschaft braucht grundsätzlich bezahlbare Energiepreise! Um die Versorgung der Bevölkerung nicht zu gefährden, muss eine Insolvenzwelle in der Transportbranche abgewendet werden“, so Carsten Taucke, Präsidiumsmitglied des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen e.V. (BGA) heute.

Der Vorsitzende des BGA-Verkehrsausschusses beschreibt die Situation wie folgt: „Wir tragen die Sanktionen aus Überzeugung mit. Dennoch sind sie ein zusätzlicher Belastungsfaktor. Die Auswirkungen des Krieges auf die deutsche Wirtschaft sind bislang kaum absehbar. Energiekosten und Einkaufspreise steigen massiv. Logistik-, Finanzierungs- und Versicherungsprobleme nehmen zu. Es kommt zu ganz konkreten Lieferausfällen, z. B. bei Holz, Stahl und Aluminium.“

Zum beschlossenen Lieferkettengesetz positioniert sich Taucke klar: „Dass in knapp neun Monaten zahlreiche Unternehmen mit neuen Auskunfts- und Dokumentationspflichten belastet werden, ist angesichts der aktuellen Lage offen gesprochen absurd. Es wäre besser, auf das Gesetz zu verzichten oder aber den Start zu verschieben. Das gilt im Übrigen auch für das geplante europäische Lieferkettengesetz.“

„Die Sanktionen beeinflussen die Lieferketten in einer Region, die für den Transport zwischen Asien und Europa entscheidend ist. Das führt zu erheblichen Kostenerhöhungen durch das Ausweichen auf alternative Routen oder Transportmittel. Und durch die steigenden Energiepreise. So ist der World Container Index in dieser Woche noch 67 % höher als vor einem Jahr. In Folge des Krieges in der Ukraine gehe ich von einer weiteren Steigerung der Frachtraten aus“, betont der Verkehrs- und Logistikexperte.

Taucke weiter: „Auf den seit längerem akuten Personalmangel in der Logistik gibt es bislang keine Antworten. Wir müssen schnell gemeinsame Lösungen finden, denn der LKW-Fahrer ist nach wie vor die Stütze der Logistikbranche. Viele Fahrer stammen aus der Ukraine und Russland. Die Ausfälle können wir nicht ersetzen. In Deutschland fehlen aktuell ca. 60.000 bis 80.000 Berufskraftfahrer.“

Preisdruck hält an – Entlastungen schnell und praktikabel umsetzen!

„Die Verbraucher spüren zunehmend den Preisdruck aus steigenden Energiepreisen und Engpässen in der Versorgung. Ein schnelles Ende ist nicht absehbar. Noch federn die Unternehmen einen großen Teil der steigenden Energiepreisen in der Lieferkette ab.

Die Unternehmen des Groß- und Außenhandels arbeiten mit Hochdruck an neuen Beschaffungswegen und der Optimierung von Logistik und Transport. Daher sind die Entlastungspakete für Bürger und Wirtschaft ein grundsätzlich richtiges Signal. Wichtig ist, dass die Entlastungen schnell und praktikabel umgesetzt werden.“, erklärt Dr. Dirk Jandura, Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistung (BGA) zu dem vom Statistischen Bundesamt in Wiesbaden veröffentlichten Anstieg der Verbraucherpreise im März 2022 um 7,3 Prozent nach 5,1 Prozent im Februar 2022.

„Allerdings können diese den Belastungsdruck nur mindern, lösen können sie die ursächliche Problematik nicht. Dazu sind grundlegende Weichenstellungen erforderlich, die die bestehenden Angebotsbeschränkungen beheben. Eine strategische, außenwirtschaftliche Flankierung der Neuausrichtung von Liefer- und Absatzketten zählt ebenso dazu wie die Forcierung des Wandels zu einer diversifizierten, leistungsfähigen und kostengünstigen Energieversorgung. Langfristig braucht es auch ein Umsteuern der europäischen Politik des billigen Geldes.“, so Jandura heute in Berlin.

Podcast – neue Folge

Jeden Freitag hören Sie das Neuste aus der „Düsseldorfer Wirtschaft“. Der Podcast der Unternehmerschaft Düsseldorf war der erste regionale Wirtschaftspodcast eines Arbeitgeberverbandes in NRW. Wir freuen uns, dass Woche für Woche auch die Hörerschaft anwächst. Alle Infos dazu unter www.unternehmerschaft.de. Im September feiern wir unsere 100. Folge.