Mindestlohn: zu Unrecht in der Kritik

Bundesweit sinkt der Anteil derjenigen, die im Niedriglohnsektor arbeiten. Beschäftigung in diesem Bereich ist nicht nur ein soziales Problem, sie ist auch eine Chance – weil sie Arbeitsuchenden ohne abgeschlossene Ausbildung dabei hilft, wieder eine Arbeit zu finden, sagt das IW KÖLN.

Bundesweit sinkt der Anteil von Beschäftigten, die zu Niedriglöhnen arbeiten, meldet das Statistische Bundesamt. Gemeint sind damit diejenigen, die pro Stunde 12,50 Euro oder weniger verdienen. Die Nachricht fügt sich ein in Ergebnisse aus früheren Studien: In den späten 1990er Jahren nahm der Anteil der Niedriglohnbeschäftigten zu, seit 2006 bewegt sich nicht mehr viel. In den vergangenen Jahren ist er sogar rückläufig. Damit ist auch der Vorwurf entkräftet, die Einführung von Hartz IV im Jahr 2005 habe zu einer Ausweitung des Niedriglohnsektor geführt.

Niedriglohnbeschäftigung kann ein soziales Problem sein – sie ist für viele Menschen aber auch eine Chance. So waren 39 Prozent der im Zeitraum 2011 bis 2019 neu in den Niedriglohnsektor Eintretenden zuvor nicht beschäftigt, und überdurchschnittlich viele hatten keine abgeschlossene Berufsausbildung. Jobs im Niedriglohnsektor helfen also dabei, wieder Arbeit zu finden, und sie bieten dadurch eine Chance, das Haushaltseinkommen aufzubessern.

Niedriglohnbeschäftigung muss auch keine berufliche Sackgasse sein, sondern dient vielen als Sprungbrett: Von 100 Personen, die zwischen 2011 und 2019 neu in den Niedriglohnsektor eintraten, waren nach fünf Jahren nur 27 immer noch in Niedriglohnbeschäftigung. Hingegen schafften 42 den Sprung in höher entlohnte Beschäftigung. „Der Niedriglohnsektor steht zu Unrecht in der Kritik“, sagt IW-Arbeitsmarktexperte Holger Schäfer. „Tatsächlich bietet er vielen eine Perspektive, die es sonst nicht geben würde.“

25.11.2022

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